de Flinthörners
 

 

Shantys als Thalassotherapie

13. April 2014

Der Langeooger Shantychor de Flinthörners hat am Montag mit einer mitreißenden Premiere die Saison 2014 eröffnet und einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit bewiesen. Gleich acht neue Shanties, Seemannslieder und Folksongs hatte Chorleiterin "Puppa" Peters mit dem Chor im Winter einstudiert und in das ohnehin große Repertoire aufgenommen. 

Lange nicht gehörte Stücke daraus komplettierten das vielseitige Programm, das die zahlreichen Gäste im Saal begeisterte.
Bürgermeister Uwe Garrels resümierte anschließend: "Dat weer weer wunnerbor" und wies auf die Bedeutung des Chores für Langeoog hin: "Ihr seid Teil der Thalassotherapie dieser Insel, ihr wirkt in bestem Sinne ganzheitlich und ihr seid lange nicht so schleimig wie Schlick und Algen."
Uwe Garrels sprach vielen Sängern und Gästen aus dem Herzen, als er auf die wichtige Aufgabe der Musik vor allem für Mitwirkende, aber auch für Zuhörer hinwies: "Gerade in der Anspannung und im Leid ist das Singen eine Therapie, die von Last und Schmerz befreit. Das ist die Kraft der Musik und des Singklangs. Jeder Mensch, ob jung, ob alt, hat das erfahren und erfährt es täglich neu. Der Klang der Stimmen bringt die Seele zum Schwingen und alles kommt in Fluss. Darum ist der Gesang älter als die Sprache. Manch eine Träne, manch ein Glücksgefühl, die nicht aus dem Lied selber kommen, die der Gesang und der Chor aber an die Oberfläche treiben, helfen mehr als alle Worte."
Wie sehr sich der Chor auf den Start dieser "Therapie" gefreut hatte, merkte man von Beginn an und diese Freude übertrug sich schnell aufs Publikum. Der Chor war stimmgewaltiger und präsenter, als in allen Proben zuvor. Zum Auftakt gab es zwei deutsche Seemannslied-Klassiker, bevor Bass Klaus Kremer im Folk-Song "Old Polina" die Geschichte des legendären Walfangbootes erzählte. Später im Programm träumte er in "Sams gone away" von einer großen Karriere an Bord eines Kriegsschiffes.
Tenor Peer Agena sang mit "Leaving of Liverpool" und "Holy Ground" zwei beliebte Forebitter aus den Programmen der letzten Jahre, in denen Matrosen den Abschied von ihrer Heimat und ihren Familien verarbeiteten.
Um die Liebe ging es auch im "Pirate Song" von Torsten Meyer, der zudem mit "Sailing Home" an diesem Abend ein berühmtes Lied des Holländers Piet Veerman mitgebracht hatte.
Ein weiteres neues Stück war der Folk-Song "The Jolly roving Tar" mit Tenor Willy Bollenberg., das die Geschichte des Herumtreibers Jack erzählt, der immer so lange an Land blieb, bis die Heuer verprasst war. In "Grimsby Lads" erzählte er zudem vom harten Leben der Fischer von Grimsby.
Das Ende des "Wohlfühlbereichs" kündigte Bass Ralf Preuß dem Publikum mit dem rauen Blues-Shanty "Sail on Sailor" an. Das Publikum honorierte das "Experiment" mit tosendem Applaus. Mit Fire Maringo hatte er zudem einen Cotton-Screwing-Shanty der weißen und schwarzen Arbeiter beim Vorbereiten der Baumwolle auf den Transport parat.
Die erste Hälfte beschloss die Washhouse Company mit dem gefühlvollen, im Original gälischen, Folksong "Come by the Hills". Zuvor hatte Andreas Schüler in seinem Shanty gewarnt: "Don't forget your old shipmate".
Moderator Gerrit Agena eröffnete mit dem fetzigen "Transport Shanty" die zweite Hälfte des Programms. Der Shanty von Peter Ballamy beruht auf Ereignissen von 1787, als eine Flotte mit Strafgefangenen und Aussiedlern ins australische Botany Bay aufbrach. Zudem sang er später noch die heimliche Nationalhymne Irlands über die Fischverkäuferin "Molly Malone".
Seine Feuertaufe als Solist bestand Bass Andreas Canto mit "Der Kneipe am Moor", in diesem Chorlied hatte er stimmgewaltig die letzte Strophe übernommen.
Siggi Maurischat gab "last, but not least" Entwarnung bei der Angst von Seemannsbräuten vor Meerjungfrauen. Er schloss damit den Kreis des Programms, denn er hatte schon mit dem Windjammersong "Blauer Peter" das Konzert eröffnet. Zuvor hatten Gerrit Agena und Herbert Grohmann die Crew der Bark Hoffnung mit einer Bootsmannpfeife und einer List auf die Bühne gelockt.
Der Vorsitzende des Chores Raimund Buss stimmte, bevor zum Abschluss Uwe Garrels auf die Bühne kam, die vielen Langeooger im Publikum auf die große Aufgabe "Insulaner unner sück 2015" ein. Ganz Langeoog werde im März ein guter Gastgeber der Nachbarinseln sein und dafür würden alle Insulaner nicht nur in Vereinen, Organisationen und Gruppen benötigt. Er dankte Eva Recker, die das Bild für das Motto "Binanner hollen und fiern" gemalt hatte, das auf einem großen Banner in Borkum präsentiert worden war. Von Uwe Garrels nahm er für den legendären Shantykeller eine Jacke eines U-Boot-Lanzers aus dem Besitz des vor einigen Jahren verstorbenen Gründungsmitglieds Aribert Peters in Empfang, die einen Ehrenplatz erhalten soll. Jubel gab es auf der Bühne als Uwe Garrels mit Blick auf die Zukunft des HDI verkündete: „Es wird einen Keller nach dem Keller geben“
Mit dem traditionellen "Last Shanty" ging ein großer Shantyabend dann zu Ende, für 2014 war es aber noch lange nicht der letzte Shanty

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